ASH Austrian Superheroes 1: Rückkehr der Helden

In ASH Austrian Superheroes – Rückkehr der Helden dürfen maskierte Rächer und fantastische Monster nun auch in Österreich ihr Unwesen treiben. Autor Harald Havas kann mit seinem europäischen Gegenentwurf für den amerikanischen Superheldencomic zwar meist gut unterhalten, stolpert jedoch immer wieder über seinen langweiligen Helden.

Von neuen Herausforderungen und alten Wunden

Kurt muss so einige widersprüchliche Rollen in sich vereinen. Denn neben seiner öffentlichen Identität als feiernder Durchschnittsstudent behauptet er sich als der legendäre Superheld Captain Austria gegen die kriminelle Unterwelt Wiens. Doch als ein geheimnisvolles Monster auftaucht, das es auf am Handy telefonierende junge Frauen abgesehen hat, braucht Captain Austria Unterstützung. Denn das Monster ist stärker als alle bisherigen Feinde und entkommt dem Vigilanten wieder und wieder. Und so versammelt Kurt eine bunte Truppe um sich, um der Gefahr Herr zu werden: Die übermenschlich starke Lady Heumarkt, der geheimnisvolle Bürokrat und das Donauweibchen, das Wasser auf scheinbar magische Art und Weise manipulieren und kontrollieren kann. Das ungleiche Team rauft sich zusammen und wird zu ASH, den Austrian Superheroes. Doch im Kampf gegen das Böse werden alte Wunden aufgerissen und die Helden müssen sich den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen.

Ein schwacher Held umgeben von starken Nebenfiguren

ASH Austrian Superheroes kann mit einigen spannenden Figuren auftrumpfen und besticht durch Lokalkolorit. Besonders beim Bürokraten und Lady Heumarkt beweist Autor Havas ein Händchen für Originalität. Der Bürokrat ist eine liebevolle Parodie auf den pflichtbewussten österreichischen Spießbürger und… naja, Bürokraten eben. Ebenso korrekt wie übermenschlich mächtig ist er niemand, dem man in die Quere kommen will – auch weil er durch seine nüchterne, emotionslose Art fast schon zwielichtig wirkt. Auch Lady Heumarkt ist absolut gelungen als im wahrsten Sinne des Wortes zupackende Superfrau, die sich nichts gefallen lässt. Dabei strahlt sie beim Kampf eine ansteckende Freude am „in-die-Fresse-kloppen“ aus und behandelt die, die ihr nahestehen, mit einer solchen mütterlichen Herzlichkeit, dass ihr die Sympathien nur so zufliegen. Bei so starken Nebencharakteren fällt die Farblosigkeit von Captain Austria, des eigentlichen Helden, leider umso stärker auf. Brechen viele der anderen Charaktere auf erfrischende Weise mit den Darstellungsmustern, die man aus amerikanischen Comics kennt, wirkt Captain Austria umso stereotyper. Er ist das Vehikel, das die Handlung in Gang setzt und die Gruppe zusammenbringt, doch ein richtiges Profil bekommt er nicht. Das schwierige Verhältnis zu seinem Vater, das ihm Vielschichtigkeit verleihen soll, hat man so schon tausende Male gesehen und auch sonst ist er der typische Held, wie man ihn in- und auswendig kennt. Schade, dass ausgerechnet der Hauptcharakter so verschenkt wird. Denn mit den anderen Figuren hat Autor Havas mehr als bewiesen, dass gerade in der einfallsreichen Charakterzeichnung seine Stärke liegt.

Viele Köche verderben den Brei… ein bisschen

Visuell wirkt ASH etwas unausgegoren. Die Zeichenstile der verschiedenen Zeichner passen nicht immer zusammen und sorgen für ein unstimmiges Gesamtbild. Andi Paar, der den Großteil der Teilgeschichten bebilderte, setzt auf schlichte, starke Linien und zeichnet besonders Actionszenen souverän und dynamisch. Trotzdem sehen Figuren vereinzelt anatomisch seltsam verzerrt aus. Mal wirkt ein ausgestreckter Arm unnatürlich kurz, dann wieder ein Hals schlangenartig lang. Den positiven Gesamteindruck seiner Zeichnungen trübt dies jedoch kaum. Auch Lenny Großkopfs Zeichnungen in „Schatten der Vergangenheit“ überzeugen durch Ausdrucksstärke und Lockerheit. In Lenny Holzers „Der erste Mann“ wirken die Charaktere jedoch oft puppenhaft hölzern und steif in ihrer Gestik. Dahingegen werden Mimik und Gestik von Jörg Vogeltanz so überbetont, dass er fast in die Groteske abgleitet.

Fazit

ASH Austrian Superheroes hat mit einigen Schwächen zu kämpfen, besticht jedoch immer wieder durch originelle Einfälle. Die Leidenschaft von Autor Harald Havas und der Zeichner für das Werk ist durchgehend zu spüren und macht den Comic grundsympathisch. So ist er spaßig zu lesen, auch wenn die erzählerische und zeichnerische Umsetzung noch etwas holprig ist. Wer sich nach einfallsreichen, spannenden Superheldengeschichten endlich auch aus dem deutschsprachigen Raum sehnt, dürfte an ASH Austrian Superheroes seine Freude haben und auch Freunde von actionreichen Abenteuergeschichten kommen hier auf ihre Kosten.

zur Leseprobe

 

ASH 1: Rückkehr der Helden“ erscheint bei Cross Cult, 16,90€, 144 Seiten. Von Harald Havas.

 

M. Lehn

Author: M. Lehn

Comics mochte ich eigentlich schon immer sehr gerne, zum klassischen Marvel/DC Superheldencomic habe ich aber relativ spät gefunden. Dafür ist meine Begeisterung jetzt umso größer! Meine große Leidenschaft waren allerdings immer Filme, mit der aktuellen Schwemme an Comicverfilmungen bin ich also mehr als glücklich!

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