Arthus Trivium 1: Die Engel von Nostradamus

Mit „Die Engel von Nostradamus“ geben Raule und Juan Luis Landa ihr Splitter-Debüt. Und gleichzeitig einem der bekanntesten Wahrsager der Geschichte einen abenteuerlastigen Comic-Auftritt.

Drei Engel für Nostradamus

Der Berater des Königs und Vater der modernen Verschwörungstheorien, Nostradamus, ist inzwischen ein alter Greis. Da erhält er eine verheißungsvolle Botschaft, die ihn in tiefste Grübeleien und Sorge um seine Familie stürzt. Trotz angeheuerter Bodyguards fürchtet er um das Wohl seines Clans. Da ist es erst recht keine Hilfe, dass seine drei besten Schüler Angulus, Angelica und Arthus gerade außer Haus sind – um im mittelalterlichen Paris mit Hexenjagd und anderen abergläubischen Betrügereien aufzuräumen. Während Angulus und Arthus sich dabei mit einem zündelfreudigen Hexen-Gericht anlegen, stolpert Angelica mitten in die Höhle des Löwen – und trifft auf eine alte Bekannte ihres Meisters, der noch große Racheträume ins Haus stehen.


Drei Musketiere auf Untotenjagd

Bei den drei Hauptfiguren in schneidiger Musketier-Optik plus die offensichtlichen Namensverwandtschaften liegt ein Bezug zu „Den drei Musketieren“ natürlich nah. Was die popkulturelle Idee dieser Geschichte anbelangt, findet sich „Nostradamus“ auch sicherlich irgendwo darin wieder; Dann aber wahrscheinlich eher in der Vision eines Unterhaltungs-Streifens wie „Die drei Musketiere“ von 2011 und weniger in der geerdeten Variante eines „Mann mit der eisernen Maske“. Das dürfte auch daran liegen, dass der Band seine größte Spannung aus jenen Momenten ziehen kann, die (noch) eher ambivalent angelegt sind. Um nicht zu spoilern, nur so viel: Angelicas Abenteuer führt sie in Gefilde, die dem Fantasy-Leser vertraut sind wie der eigene Vorgarten, über den Kontext seines Universums möchte der erste Band allerdings noch nicht allzu viele Worte verlieren und das ist auch gut so. Ob also tatsächlich übernatürliches oder nur elaboriert-ausgetüftelte Trickserei, bleibt vorerst offen. Dieses Mysterium dürfte wie gesagt den Hauptreiz ausmachen, denn die Figuren bleiben vorerst ausgesprochen blass. Der Namensgeber bekommt noch recht wenig zu prophezeien und das Helden-Trio ist mit eher eindimensionalen Charakterzügen ausgestattet. Das funktioniert insgesamt mal besser und mal schlechter; wenn Arthus und Angulus mit einer aufgebrachten Meute vorm Scheiterhaufen ihr wenig-ausgereiftes Verhandlungsgeschick zur Schau stellen, ist das recht putzig. Wenn an anderer Stelle im Buch dagegen eine Kneipenschlägerei möglichst badassig mit Countdown inszeniert wird, ist das arg gewollt und sehr behäbig. „Arthus Trivium“ ist, zu diesem Zeitpunkt, eher als Detektiv-Mystery angelegt, wer sich von Cover und Tagline auf eher Assassins Creedsche Abenteuer gefreut hat, sollte vorerst noch seine Zelte aufschlagen.

Ein bedrücktes Farbenmeer

Wie die meisten Splitter-Titel hat auch „Arthus Trivium“ eine für Mittelalter-Freunde fast anstandslose Optik: die dreckigen Straßen Paris, der Vorplatz eines lauschigen Dorfes, die düstere Kanalisation unter der Stadt der Liebe – hier ist so einiges vertreten. Allerdings hat Zeichner Juan Luis Landa hier eher den Blick für seine Figuren, große Stadt-Panoramen wie zuletzt ein „Henker“ oder „Alienor“ feiert die Geschichte nicht ab. Stattdessen dominieren die Nahaufnahmen in detailarmen Hintergründen was meist gut funktioniert, wenn es auch eben die großen Momente vermissen lässt. „Arthus Trivium“ weiß hier allerdings auch mit einer gekonnt, schicken Farbgebung dagegen zu halten – die eher düster, bedrückende Stimmung des Bandes hält Landa nicht davon ab Atmosphäre aufs Papier zu zaubern. Wenn die warme Lichtstimmung einer Taverne dem grau-grünen Spukmotiv eines Verlies weicht, ist das ein sitzender Garant für Abwechslung, die den Lesefluss aufrecht zu halten und zu lenken weiß. Dazu weiß Landa mit einem etwas detail-reicheren Stil bei einer einseitigen Rückblende zu einem Ritter-Turnier sich nicht nur gekonnt von seiner eigenen Stimmung abzusetzen, sondern zaubert damit auch noch die beste Seite des Bandes aufs Papier.

Fazit:

Mehr Mysterium- statt Abenteuer-Comic, sollte man wohl gar nicht zu sehr überrascht sein, dass dank Mentor Nostradamus „Arthus Trivium“ weniger rabiat ausfällt als es Cover und Klappentext vermuten lassen. Während Zeichner Juan Luis Landa bedrückende, aber absolut stimmige Farbwelten aufs Papier zaubert, ist Autor Raule fleißig damit zu Gange die Spielsteine für seine Geschichte zu platzieren. Dabei bleiben dann auch mal die Figuren auf der Strecke, gerade die drei Musketiere in Ausbildung sind etwas zu flach geraten und als Leser interessiert man sich mehr für das, was ihnen gegenübersteht als das, was sie ausmacht. „Arthus Trivium“ macht es sich damit schwer einer bestimmten Leserschaft empfohlen zu werden, die ersten Seite als Leseprobe sollten aber ein sehr gutes Bild vermitteln ob man darauf Lust hat, was Nostradamus da so am Horizont heraufbeschwört.

zur Leseprobe

„Arthus Trivium 1: Die Engel von Nostradamus“ erscheint bei Splitter im Hardcover, 48 Seiten, 14,80€ von Raule und Juan Luis Landa
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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