Aquaman 8

Noch ein letztes Mal ab ins Wasser! Naja, nicht wirklich, denn schließlich wird es auch nach DCs REBIRTH wieder Abenteuer mit Arthur Curry und Co. Geben. Bis dahin aber ist „Verbannt aus Atlantis“ das letzte Abenteuer der New52-Serie. Und fährt mit Aliens, Verrat und Justice League Gastauftritten noch einmal alles auf.

Kanns den wirklich so schlimm sein?

Es ist immer strange einen Comic unvoreingenommen zu lesen, wenn man zuvor nur Negatives vernehmen konnte. Natürlich ist Cullen Bunn als Autor sicher nicht eine internetweite Kontroverse wert und die Meldungen hielten sich klein, aber die Aussage blieb dieselbe: Bunn verließ die Serie nach nur einem Story-Arc aufgrund von heftigen Fan-Reaktionen. Dabei ist dieser Backlash auf den ersten Blick erstmal völlig unverständlich, denn weder vergeht sich der Amerikaner an irgendwelchen kontroversen Themen, noch greift er die Fundamente des Charakters und Cast wirklich an. Seine Geschichte rund um ein „Parallel-Atlantis“ in einer anderen Dimension, dass in unsere Welt zu schwappen und mit lovecraftschen Gekröse zu überfluten droht, klingt erstmal okay, aber vor allem unkontrovers. Dazu kommt eine Auseinandersetzung mit Ehefrau Mera, die Arthur nicht nur den Thron sondern den kompletten Rückhalt der Atlanter verlieren lässt, solange bis diese sogar Jagd auf ihn machen. Wenn das also erstmal nach einem wenig Aufregungs-würdigen Klappentext klingt, muss der Seeteufel in den Details stecken.

Aquaman 8 - Bild für Beitrag 1
Ein Zeichner-Wechsel-Dich

Es ist nicht per se schlecht, sicher aber nicht hilfreich, wenn über sieben Ausgaben die Zeichnerpflichten auf gleich mehreren Tischen landen, den das Halten eines einheitlichen Ton fällt so meist schwer, das ist in „Verbannt aus Atlantis“ nicht anders. Trevor McCarthy hält es dabei die ersten Ausgaben hübsch dreckig und skizzenhaft, was zwar für ziemlich volle und dunkle Panels sorgt, aber auch gut zu den hereinsprudelnden Parasiten aus der anderen Dimension passt. Kolorist Guy Major leistet dabei besonders gute Arbeit und hilft den „Geschöpfen“ den nötigen Wumms zu verleihen – sei es nun ein steinerner Gigant, der direkt „Shadow of the Colossus“ entsprungen sein könnte oder ein Gastauftritt der New52-Version Poseidons nach Azzarellos/Chiangs Idee. Damit können die Zeichner in den Folgeausgaben nicht mithalten, Alec Morgans kurzes Stelldichein bleibt kaum in Erinnerung und Vicente Cifuentes kann lediglich in den Actionszenen Dynamik aufs Papier zaubern, Gespräche und ruhige Momente bleiben fast immer statisch und die Mimik leblos.Aquaman 8 - Bild für Beitrag 2 „Verbannt aus Atlantis“ ist seemeilenweit davon entfernt wirklich hässlich zu sein und dank der auch innerhalb des Bandes wechselnden Stimmung, fallen die Stilunterschiede auch nicht ganz so schwer ins Gewicht. Dann muss es also doch an Cullen Bunn liegen?

Der Comic One-Night-Stand

Vorweg: Bunn’s Storyline rund um die Dimension Thule, ihre fliehenden Bewohner und tyrannischen Herrscher wird im großen Aquaman-Kosmos sicher nur eine Fußnote einnehmen. Dafür fehlt es an Neuerungen und Ideen wie sie Geoff Johns zur Serie brachte oder an der „Spielfreude“ Jeff Parkers, der die etablierten Elemente fröhlich wie ein Kleinkind ineinander krachen ließ. Bunns großes Mysterium zum Start der Geschichte ist für jeden vorhersehbar, der mehr als zwei Comics gelesen hat; Thule mit seinen Meistern und Monstern nicht exotisch genug, um im Gedächtnis zu bleiben und auch bei den Charaktermomenten lässt sich erinnerungswürdiges mit der Lupe suchen. Da sind die Gastauftritte der anderen großen Helden natürlich noch der sicherste Garant für „coole“ Momente, denn ein Batman, der per Lasso Drachen zähmt, bleibt selbst als Hintergrunddetail selbstverständlich ein Augenmerk. Seiner selbst-prophezeihten „Größe“ wird die Geschichte aber nie gerecht – und dennoch würde ich „Verbannt aus Atlantis“ nicht das Prädikat „Langweilig“ verpassen können. Paradoxerweise passiert genug, wenn auch eben nichts Aufregendes, aber in hoher Frequenz, dass man kaum auf den Gedanken kommen dürfte, den Band komplett abzubrechen. Aquaman 8 - CoverDenn von Gastauftritten bis hin zu Aquamans Blitze-kontrollierendem Dreizack, Bruder Thor lässt grüßen, gibt es doch immer mal wieder was zu schauen.

Fazit

„Aquaman 8“ landet in diesem seltsamen Niemandsland, dass der geneigte Serienleser wohl nicht wirklich zufrieden sein dürfte, aber auch nicht von der Serie vertrieben wird, da Bunn ja eben auch schon wieder die Biege gemacht hat und uns schon „Aquaman Rebirth“ ins Haus steht. Bunns Storyline zusammen mit dem wechselnden Artwork wird sicher keine zukünftigen Top Ten Listen bevölkern, ist aber auch nicht schlechter als andere mittelmäßige Arcs in lange laufenden Serien. Wer nicht von Arthur Curry und Co. lassen kann, nimmt auch „Verbannt aus Atlantis“ mit, neugierige Neuleser dürfen diesen Band und die Annahme „neuer Autor, neuer Einstiegspunkt!“ aber gerne überspringen und dann zum Rebirth nochmal vorbeischauen. Dort steht uns mit Autor Dan Abnett eine neue Stimme ins Haus, die der Serie mit Sicherheit noch einmal einen ganz anderen Spin verpassen dürfte.

„Aquaman 8 – Verbannt aus Atlantis“ von Cullen Bunn, Trevor McCarthy, Jesus Merino, Guy Major und Vicente Cifuentes, erscheint bei Panini im Softcover, 188 Seiten, 19,99€
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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