Aquaman 2: Unaufhaltsam

Im zweiten Band von Dan Abnetts neuem Aquaman-Abenteuer Post-Rebirth müssen Mera und Arthur weiterhin die trügerischen Wässer internationaler Politik durchschiffen – was auch schon mal dazu führen kann, dass man Superman mit Hubschraubern bewirft, wenn reden nicht mehr zu helfen scheint.
Der einsame Seewolf

Dabei ist die auf dem Titel versprochene Klopperei nur von kurzer Dauer. Natürlich soll dies als interessanter Aufhänger dienen, Aquaman der sich nach einigen, ungeklärten Vorfällen in Atlantis, bei denen Oberflächen-Bewohner zu Schaden gekommen sind, in außenpolitischen Krisen verstrickt hat, soll von Superman besänftigt werden. Superheldengerecht geht das natürlich nur mit viel Wumms und Materialschäden, das Ganze kommt dabei dramaturgisch ordentlich daher, schließlich ist Arthur nicht nur Superheld und Freischwimmer, sondern auch König eines ganzen Reiches und Befehlshaber einer kampfbereiten Armee. Auch wenn es zur Eskalation nie kommt, dafür möchte Abnett vorerst noch kleine Brötchen backen, weiß dass doch beim Krach-Bumm-Faktor genug her zu machen. Etwas dünner sind dabei schon die ausgetauschten Floskeln; während Superman daran glaubt alle Probleme gemeinsam lösen zu können, scheint sich Arthur extra quer zu stellen und spielt dagegen die beleidigte Leberwurst „über die sich doch eh alle Justice League-Mitglieder lustig machen“. Abnett macht dabei zwar wenig falsch, sonderlich originell ist das jedoch nicht, auch wenn der Autor auf den letzten Seiten aus Aquamans Lonely-Wolf Manier sogar noch einige dramatische Nettigkeiten herauszukitzeln weiß. Generell stimmt die Action eigentlich immer, auch wenn es später gegen ein schier unaufhaltsames Monster geht findet Zeichner Scott Eaton die richtigen Bilder und Kolorist Gabe Eltaeb die richtigen Farben. Nach dem allerdings auch verbal fantastisch getroffenen Schlagabtausch zum Höhepunkt des Vorgängerbandes, vermisst man hier doch die Raffinesse die Abnett zuvor an den Tag und seinen Figuren in den Mund legte.
Unnötige Ankerkette

Generell scheint sich Abnett im selbst abgesteckten Badebereich nur kaum ins Wasser zu trauen, „Unaufhaltsam“ macht immer dann am Wenigsten her, wenn der Comic unglaublich klassisch ausfallen möchte. Anstatt wie Geoff Johns oder gerade ein Jeff Parker Mera als Teil des dynamischen Duos zu belassen und ihr eine ergänzende Nebenrolle zuzuteilen wird sie mit einem nicht schlechten, aber deutlich uninteressanteren Story-Arc aufs Abstellgleis bugsiert. Ähnliches gilt für Erzfeind Black Manta, das Zusammentreffen im letzten Band bildete wie gesagt einen super Abschluss, um erst einmal Platz für andere Bösewichte zu machen, stattdessen wird der Unterwasserschatzjäger ungelenk in einer größeren Schurken-Storyline verbaut. Auch das zieht Band 2 nicht in eine tödliche Untiefe ist aber ein weiterer, unnötiger Kratzer im schönen Lack der Jacht. Abnett lässt mit all dem befürchten seine eigene Storyline zu sehr überladen zu wollen, der thematische Kern der Geschichte scheint zu verschwimmen, noch ist es allerdings zu früh für allzu laute Unkenrufe und der Spaß am Bild kann noch problemlos darüber hinwegtrösten. Es wird sich erst im dritten oder vierten Band zeigen müssen, ob die Probleme beim emotionalen Aufbau der Geschichte dem ganzen Plot letztendlich in die Flosse beißen werden.
Fazit:

„Unaufhaltsam“ ist das nette Fischstäbchen für zwischendurch, die Zeichnungen von Eaton und Co. passen zur Wucht, die Autor Abnett seinem Fischmann entgegen schleudert, langweilen tut der König von Atlantis auf keiner Seite. Allerdings dämpft dieser Zwischengang dank Unsicherheiten im Kern, nicht ganz glatt geschliffenen Dialogen und einiger Hilflosigkeit beim Platzieren der Nebencharaktere, etwas die Vorfreude auf das voraussichtlich ausgiebige Meeresfrüchtebuffet in kommenden Abenteuern. Noch kann Abnett die nötigen Feinjustierungen problemlos vornehmen, der Aquaman-Fan sollte also weiterhin dabeibleiben.

zur Leseprobe
„Aquaman 2: Unaufhaltsam“ erscheint bei Panini im Softcover, 116 Seiten, 12,99€. Von Dan Abnett, Phillippe Briones, Brad Walker und Scott Eaton.

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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