Aquaman 1: Der Untergang

Aquaman war nie weg und ist trotzdem zurück – so wie der gesamte DC-Cast sich im Zuge der neuen „Rebirth“ Nummer Einsen frisch zu sortieren hat. Mit Black Manta trifft Arthur Curry dabei erst einmal auf Erzfeind Nummer Eins. Also von wegen, „Alles neu macht der Rebirth“?

Landratten gegen Wasservögel

Die neue Nummer Eins Aquamans präsentiert sich dabei zunächst bekannt. Autor Dan Abnett (Green Lantern) bedient sich dem schon vertrauten Konflikt zwischen Land- und Seebewohnern, isolationistische Atlanter gegen die Weltmacht USA – und Arthur Curry zusammen mit seiner Frau Mera mitten drin und um Alles an Vermittlungsgeschick bemüht! Abhilfe soll eine neu errichtete Botschaft schaffen, eine Mischung aus Konsulat und Goethe-Institut, das interessierten Wasserscheuen die atlantische Kultur näher bringen soll. Das solche Projekte des guten Willens in Comic-Universen immer nur von kurzer Dauer sind, liegt auf der Hand und alsbald müssen Arthur und Mera nicht nur ertrinkende Journalisten retten, sondern sich auch Erzfeind Black Manta entgegen stellen. Und dann wären da auch noch die diplomatischen Nachwirkungen, die all dieses Chaos nach sich zieht, ein Chaos das atlantische Separatisten noch zu befeuern hoffen.

Geschliffenes Glas am Strand

In all zu ungewisse Untiefen wagt sich Autor Abnett mit seinem Aquaman-Erstling noch nicht, gestandene Fans sollten den Konflikt zwischen Atlantern und Menschen nun schon öfter zu Gesicht bekommen haben, Geoff Johns selbst feuerte in seinem Run ja bereits aus allen Rohren was das Thema angeht. Der Anker der ganzen Handlung ist also wenig neu und evtl. dennoch gerade gut genug um neue Leser an Land zu ziehen. Denn die Keilereien zwischen Land- und Seebewohnern, mit einem Arthur Curry gefangen zwischen den Fronten, stellen weiterhin eine der interessantesten Facetten der Figur dar – Handlung ist Konflikt und größer und bedeutender als zwei ganze Staaten und Kulturen gegeneinander zu stellen, die sich nur schwer verstehen oder schwer verstehen wollen, geht es nun mal fast nicht mehr. Natürlich, als langjähriger Leser der Reihe, wünsche auch ich mir frischen Wind in den Segeln (warum nicht ab in die schillernden Tiefen des Ozeans, warum nicht gegen Monster und Meeresgekröse?) aber hier kann Dan Abnett seinen Status als Comic-Routinier immerhin voll ausspielen. Abnett poliert die Story wo er kann bis sie glänzt und mit Black Manta ist zusätzlich einer der besten Bösewichte mit an Bord – denn der rachsüchtige Schatzsucher mag nicht die vielschichtigste Figur sein, gibt in ihrer Skrupellosigkeit und dem Gesamtauftreten aber weiterhin einen verdammt fähigen Gegenspieler ab. Der beste Moment des Bandes gehört damit auch ihrer Auseinandersetzung, die eine überraschende Wendung nimmt. Noch überraschender (fast schon gefährlicher?) wenn man bedenkt wohin Abnett die Figur scheinbar zu führen gedenkt – wie der Konflikt der Beiden hier gelöst wird, ist großartig, könnte aber durch ein simples abschütteln im Nachhinein wieder absolut zunichtegemacht werden. Insgesamt etabliert die Geschichte damit aber genug Köder um wenigstens neugierig auf den zweiten Band zu machen, nicht nur allein aufgrund des krachenden Cliffhangers, sondern auch durch ihre Ideen beim Worldbuilding und eben Konflikte.


„KÜSS MISCH!“

Bei den Zeichnungen teilen sich gleich drei Künstler die Staffelei, Brad Walker, Scott Eaton und der Franzose Philippe Briones. Für Zeichnerhände hat das Aquaman-Universum schon immer besonders viel Stoff hergegeben, dies ist auch diesmal wieder nicht anders. Schon auf den ersten Seiten begrüßen uns blasen-übersprudelnde Splashpanels und riesige Unterwassersaurier. Allerdings ist die Freude an der Unterwasserwelt nur kurz, das Geschehen verlagert sich bald und längerfristig über den Meeresspiegel, auch hier wissen die Künstler aber mit Kontrasten zu spielen und auch das Colouring kann hier absolut in die Vollen gehen: Ein pechschwarzer Black Manta, der sich in einer überfluteten Station mit dem grün-orangenen Helden prügelt sieht einfach gut aus. Wenn sich das Gesamtpaket nicht so stimmig präsentieren würde, fielen die Patzerpanels vielleicht auch gar nicht auf, hier jedoch: Und wie sie auffallen. Denn wer immer in diesen Momenten Zeichner-Schicht hatte, mag sich hier doch bei der Stilpalette gewaltig vergriffen haben. In einigen Momenten zu Beginn des Bandes sind Arthur und Mera nämlich in einem schwülstigen Kussmund-Gewand dargestellt, welches besser zu einem Straßenzeichner von Karikaturen passen würde; übergroße Kinns, Gesichtspartien wie aus Knete und die wie erwähnt absolut überzogenen Schmollmünder, lassen den Comic an dieser Stelle vielleicht nicht hässlich, aber wenig seriös, noch weniger heldenhaft und schon gar nicht stimmig wirken.

Fazit:

„Aquaman 1“ ist sicherlich eine klare Empfehlung zum Leseeinstieg und das obwohl bzw. gerade weil die Grundthemen klassisch und bekannt daher kommen. Auch Dan Abnett fängt trotz „Rebirth“ nicht wieder bei null an, greift bekannte Figuren, Motive und Vergangenes auf, allerdings sind diese Puzzlestücke so sauber zusammen zu fügen, dass man nicht mit jedem Charakter zu einhundert Prozent vertraut sein muss – ein „Flash“ oder „Deathstroke“ machen es dem Neueinsteiger hier schon etwas schwerer. Wo der Neuling also perfekt abgeholt wird, vermisst der langjährige Fan vielleicht etwas das Salz in der Suppe, ist aufgrund der sauberen Ausführungen aber wahrscheinlich geduldig genug um den Kreativen noch ein paar Bände zum Finden der eigenen Sirenen-Stimme zu geben. Und verzeiht außerdem (hoffentlich?) auch die wenigen, aber auffälligen Stilbrüche oder wer weiß: Vielleicht finden manche Leute Aquaman und Mera mit barsch-artigen Kusslippen auch einfach viel cooler als es dem Rezensenten mit diesem „Anblick“ geht.

zur Leseprobe
„Aquaman 1“ von Dan Abnett, Brad Walker, Scott Eaton und Philippe Briones erscheint bei Panini im Softcover, 12,99€, 116 Seiten.

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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