All-Star Batman 2: Die Enden der Welt

Das Best-Of-Batman geht in die zweite Runde – diesmal zieht der dunkle Ritter gegen alte Widersacher wie Poison Ivy, den Mad Hatter und Mr. Freeze ins Feld.
Verneigen vor den großen Vorbildern?

Dabei gestaltet sich das Geschehen diesmal allerdings noch episodiger als noch Batmans Road-Trip aus dem ersten Band. Eine große Schnitzeljagd verschlägt den Detektiv zwar wieder raus aus Gotham in die weite Welt, aber an so völlig unterschiedliche Orte wie den Amazonas, Afrika oder die frostige Arktis. Die Spurensuche folgt dabei zwar einem verbindenden Zweck, ein größerer Spieler scheint hinter all dem die Fäden zu ziehen, den klaren Mittelpunkt bilden aber die Episoden selbst und nicht die überspannende Handlung. Der Einstieg gestaltet sich dabei frostig, das Storytelling unterkühlt. Denn Snyder reduziert in seinem zweiten All-Star Band noch einmal deutlich, das Geschehen wird verunklart, die Form des Erzählens an sich rückt in den Fokus. Mit diesem Einstieg in den Band sollte dem Leser klarer werden, dass ihn hier endgültig kein simples Best-Of erwartet. Batman und der Schurke der Woche treten nicht nach vorne, um sich nach einer finalen Zugabe des Lieblingsstückes noch einmal zu verneigen. „Die Enden der Welt“ darf dagegen viel mehr als Meditation Snyders auf Batmans Beziehung zu seinen Schurken verstanden werden und ein ganz persönliches Philosophieren ist es obendrein. Snyder geht hier mehr den Weg eines Grant Morrison bei seinem Batman-Run, im Mittelpunkt steht die persönliche Auseinandersetzung mit dem mythischen Kern der Figur und der Leser darf dabei Zeuge sein. Wie auch schon bei Morrison, steht Klarheit und Verständlichkeit dabei aber nicht mehr an erster Stelle – Snyders Sicht auf Batman zu folgen mag interessant und lohnenswert sein ist aber auf der Erzählebene nicht immer einfach.


Snyders Wirr- und Irrspiele

Das Ganze wird durch Snyders Tendenz erschwert, zum Ende einer Geschichte die mögliche Auflösung simpel und etwas ungelenk aus dem Hut zu zaubern. Ohne zu viel zu verraten, wenn es Batman letztendlich gelingt den Drahtzieher hinter all den vorangegangenen Ausflügen zu stellen ist das Risiko für alle Beteiligten gleichzeitig riesig wie andererseits lachhaft gering. Der vorbereitete Twist wird aufgrund der hoch-elliptischen Erzählweise nicht zur vollen Zufriedenheit auserzählt, sondern in zwei simplen Textboxen abgehandelt. Dies gibt dem Band ein überspannendes Gefühl, dass sich nur mit „komisch“ zusammenfassen lässt. Die einzelnen Episoden enthalten teils wunderschöne Monologe und Einsichten in die Innenwelt Batmans, welche die Figur aufs 100%igste zu treffen scheinen, der dünne Faden, der all dies zusammenhält, ist aber kaum zu erkennen und wenn doch scheint er dem Zerreißen nahe. Darüber hinaus enthält der Band eine (un)klare Zweiteilung. Nach der weltweiten Spurensuche der Fledermaus, rückt die Storyline um den neuen Batman-Sidekick Duke Thomas in der zweiten Hälfte plötzlich in den Mittelpunkt. Natürlich ist auch dies wieder nichts schlechtes in sich, unterstützt aber weiter das Gefühl, dass es Snyder einem bei der Meinungsfindung zu seinem All-Star Batman echt nicht einfach machen will.

Kühle Eiszeit gegen gelbes Rätselschach

Dieser riesige Unterschied wird auch optisch deutlich, wenn für die finalen Abenteuer um Duke Thomas der Italiener Francesco Francavilla den Stift übernimmt. Die kruden-düsteren Zeichnungen aus der Feder von u.a. Jock von zuvor, verwandeln sich aus dem Schraffierten heraus, unter Francavilla plötzlich zu einem, dem klaren Layout unterworfenem Farbenspiel. Detailreichtum weicht hier der klaren Linie und ausgefüllter Fläche, diese wird dann farblich in Kontrast zueinander gestellt und verwandelt damit jede Seite in ein dem Riddler angemessenes Puzzlespiel – welches momentweise sogar Erinnerungen an den Batman Adam Wests aus den 60ern hervorruft. Dies rundet „All-Star Batman 2“ als einen optisch auf jeden Fall gelungenen Comic ab, nachdem auch die allerersten Seiten bereits Sorge tragen sollten, dass so mancher Leserblick am Panel festfriert. Denn das Duell mit dem tragischen Schurken Mr. Freeze wird von Kolorist Matt Hollingsworth in so unterkühlte Frost-Töne getaucht, dass die wohlige Gänsehaut hier garantiert sein sollte.

Fazit:

Mit seinen All-Star Batman-Abenteuern genießt Scott Snyder wohl die Freiheit in jede mögliche Richtung zu gehen – spätestens mit dem zweiten Band sollte aber jedem klar sein, dass eine alleinstehende Erzählung wie aus den Anfangstagen Snyders im Fledermausuniversum, hier nicht das Ziel ist. Von einem in sich geschlossenen Abenteuer wie „Die Pforten von Gotham“ ist All-Star Batman meilenweit entfernt und tummelt sich am ganz anderen Ende des Spektrums; Snyder philosophiert hier ganz eigen über die Figur, ihre Gegenspieler und ihre mögliche Zukunft im DC-Universum, der Leser ist „nur“ Beifahrer auf dieser Reise, dürfte aber einiges zu sehen bekommen. Denn optisch ist „Die Enden der Welt“ über ein Großteil der Reise eine paradox düster-farbenfrohe Wucht – ein knallgelber Rätselwahn von Francesco Francavilla trifft auf die unterkühlt blaue Eiszeit von Matt Hollingsworth. Wem also Grant Morrisons Batman damals zu abgedreht, esoterisch und unklar war, sollte auch um Snyders Ausflug einen Bogen machen. Wer aber ein Interesse für die wirreren Seiten der Fledermaus und etwas Freude am Experimentieren mitbringt, darf den Blick gerne riskieren, optisch sollte der Augenschmaus schon einmal garantiert sein.

zur Leseprobe
„All-Star Batman 2: Die Enden der Welt“ von Scott Snyder, Matt Hollingsworth, Francesco Francavilla, Jock und Tula Lotay, erscheint bei Panini Comics im Softcover. 180 Seiten, 16,99€.

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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