Alienor 2: Die schwarze Legende

Wo sich die junge Königin im ersten Band noch im Intrigieren und Verführen üben musste ist Alienors Werk nun schon im vollen Gange. Und droht Frankreich in einen Bürgerkrieg zu stürzen.

Starkes Ende

Nach dem ersten Band, ein gewohnt toll gezeichnetes Historien-Drama mit willkommenen Wendungen, aber schwachen Charakteren und gerade noch so okayen Dialogen, stand die Frage im Raum, wie „Alienor 2“ die Geschichte weiter zu spinnen gedenkt – mehr vom Selben, Entwicklung der Figuren oder sogar ein Wechsel des Erzählgewandes? Die Antwort dürfte ein „Von Allem etwas“ sein, gerade der Anfang bleibt nahtlos bei den Ideen des ersten Bandes. Es geht um Intrigen und interne Konflikte, der schwache König Ludwig legt sich nicht nur mit aufmüpfigen Grafen an, sondern auch mit der Kirche und dem Papst selbst, alles nur einer unwillkommenen Liebschaft in seinem adligen Stab wegen. Hinter all dem steht natürlich immer noch Alienor, die Respekt und Ehrfurcht einfordern, jeden zu manipulieren und keinen Gefangen zu machen scheint. Dies führt, gerade zum Ende hin, zu einigen gelungen Bildern, wenn Ludwig sich den Folgen seiner Taten, in Form eines gebrandschatzten und geplünderten Dorfes, einmal bewusst wird. Die gezeigten Gräueltaten, wenn auch sicher nicht übertrieben brutal gezeichnet, können den Schrecken gelungen einfangen. Dazu tragen im großen Rahmen auch wieder die tollen Zeichnungen von Carlos Gomez bei, die jeden Fan der Epoche Seite um Seite mit der Zunge schnalzen lassen sollten.

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Schwacher Rest

Im Fortsetzungsband zeigen sich aber, mehr noch als zuvor, die grundlegenden Probleme, die „Alienor“ inne liegen. Einerseits sind dies sicher wieder die Dialoge, wenn man nicht gleich von Monologen sprechen möchte, denn interagiert wird wenig, gepredigt stattdessen viel.alienor-2-cover Das kostet einerseits viel Atmosphäre, denn wie ein wirklicher Königshof mit Schlagabtausch fühlt sich „Alienor“ daher nur selten an und andererseits verschenkt es viel Potenzial an erinnerungswürdigen Gesprächen. In sich wäre das wahrscheinlich noch verkraftbar, es gibt genug andere Comics die ähnliche Wege einschlagen, dies aber mit Dynamik an anderer Stelle auszugleichen wissen. Hier kommt allerdings die widerspenstige Charakterisierung Alienors zum Tragen, die im Vorgängerband bereits Fragen aufwarf, hier aber vom kleinen Stolperstein zur hüfthohen Hürde mutiert. Simona Mogavino und Arnaud Delalane schaffen es nicht ihrer Figur Herr (oder in diesem Fall „Dame“?) zu werden und so ist die königliche Herrscherin wohlwollend mit dem Wort „wechselhaft“ und böswillig mit dem Attribut „nervtötend“ umschrieben. Denn zusammen mit dem monologischen Sprech der Figur wird aus der intriganten Verführerin oft eine nervige Zicke, die auf alle Nachrichten und Depeschen mit simpelsten Ausrufen à la „Verrat!“ und „So eine Unverfrorenheit!“ reagiert, dass sie fast schon zur Karikatur verkommt. Wenn sie uns dann zum anderen Zeitpunkt, wie beispielsweise zum Ende hin, als die kalte, unnahbare und undurchschaubare Gefahr präsentiert werden soll, ist das ein Knirschen im Getriebe, dass sich nicht mehr überhören lässt. Daran ist wahrscheinlich auch die Wahl der Erzählperspektive schuld, eine klare Hauptfigur gibt es nicht, stattdessen ist „Alienor“ weiter ein Ensemble-Stück. Dabei wäre es vielleicht sinnvoller gewesen sich entweder nur an Ludwig zu binden und seine Korrumpierung zu verfolgen oder bei einer Gruppe an Figuren zu bleiben aber Alienor auszusparen, um ihr tun wirklich undurchschaubar zu halten.

Fazit:

Wer mit „Alienor 1“ schon in allen Belangen zufrieden war, kann auch hier zugreifen. Für Zweifler wie mich allerdings, stellt dieser Band einen Scheidepunkt dar, der in diesem Falle meinen Ausstieg aus der Serie bedeutet. Denn den superben Zeichnungen und netten Intrigen zum Trotz, ist Alienors Geschichte in dieser Form ein zu bunter Mischmasch, der seltener zueinander findet als er müsste und sollte. Und wo hier Dialoge und Figuren das Ganze vielleicht vor dem unteren Durchschnitt retten könnten, schwächeln beide Facetten zu spürbar, allen voran die titelgebende Herrscherin.

zur Leseprobe

„Königliches Blut 2: Alienor – Die schwarze Legende“ erscheint bei Splitter im Hardcover, 56 Seiten, 14,80€. Von Simona Mogavino, Arnaud Delalande und Carlos Gomez

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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