Alice Matheson 1 & 2

Jean-Luc Istin und Philippe Vandaëles versuchen, durch einen überraschenden Mix dem Zombiegenre frischen Wind einzuhauchen. Aber geht die Mischung von Serienmörder, Krankenhaus und Zombiekalypse auf?

The Walking Emergency Room

Die attraktive Krankenschwester Alice Matheson hat ein düsteres Geheimnis. Während sich ihre Kollegen ganz den alltäglichen Dramen einer Notaufnahme hingeben, bringt sie  todkranke Patienten um und lässt es wie einen natürlichen Tod aussehen.  Als die Toten wieder auferstehen, beginnt die alice_matheson_01_coverPsychopathin zu improvisieren. Denn nicht nur die wandelnden Leichen machen Alice zu schaffen, auch ein ermittelnder Polizist kommt ihrem Geheimnis bedrohlich nah. Sollte die Zombiekalypse etwa das Ende ihrer Serienmörderkarriere sein oder kann Alice Matheson die schlurfenden Untoten sogar für ihre Zwecke nutzen?

Die Bestie in ihr

Jean-Luc Istin hat für seine Zombiegeschichte eine sehr zweifelhafte Protagonistin ausgewählt. Alice Matheson beschreibt sich selbst als Todesengel, der vom Töten fasziniert ist. Ihre berufliche Position als Krankenschwester nutzt sie dabei gnadenlos aus. Ähnlich wie in der Serie Dexter geht dieses Konzept spätestens im zweiten Band der auf sechs Bände angelegten Reihe auf. Den ersten Band “Tag Z” nutzt der Autor noch, um im fest abgesteckten Rahmen eines klassischen Zombiefilms die Figuren des Krankenhauses und das Auftauchen der ersten Untoten zu inszenieren. Hier macht die namengebende alice_matheson_kompliziertHauptfigur noch kaum einen Unterschied zu anderen Figuren wie Serge Lapointe oder Rick Grimes. Alice trifft auf die Zombies und kommt knapp mit dem Leben davon. Von nun an versucht sie in der immer chaotischeren Umgebung zu überleben. Für den eingefleischten Zombie-Fan also Alltagsgeschäft, doch spätestens wenn ein Ermittler dem Treiben im Krankenhaus im zweiten Band auf die Spur kommen will, wird deutlich, wie skrupellos Alice um ihr eigenes Überleben kämpft. Und so sehr man ihre Methoden auch missbilligen will, der Autor schafft es dennoch, dass der Leser mit Alice mitfiebert und ihr sogar die Daumen drückt. Im zweiten Bandalice_matheson_02_cover wird ebenfalls deutlich, dass in diesem Krankenhaus noch mehr Personen düstere Geheimnisse haben. Hier nimmt die Spannung deutlich zu und der Leser brennt darauf zu erfahren, wie sich das explosive Gemisch entwickeln wird.

Ein starkes Zeichnerteam

Während Jean-Luc Istin die Geschichte souverän vorantreibt, lässt er die verschiedenen Bände von unterschiedlichen Zeichnern umsetzten. Den Auftakt macht Philippe Vandaëles, der mit Alice Matheson sein Debüt abliefert. Der Franzose überzeugt mit einem dynamischen Strich und einer typischen Horrorperspektive, die gekonnt auf Schockmomente hinarbeitet. Die Mimik der Figuren ist ausdrucksstark und durch eine hohe Differenzierung der einzelnen Akteure behält der Leser im wuseligen Krankenhausalltag stets die Übersicht. Im zweiten Band übernimmt der Serbe Zivorad Radivojevic den Zeichenstift. Der Wechsel fällt kaum auf. Allerdings setzt Radivojevic auf ein etwas anderes Seitendesign. Dadurch werden die Panels etwas kleiner. Der Künstler nutzt die zusätzlichen Bilder, um auf Details hinzuweisen oder die Beziehung zwischen den Figuren während der Gespräche differenzierter darzustellen. Insgesamt betrachtet liefern beide Zeichner eine überzeugende Arbeit ab, die viel zur Sogwirkung von Alice Matheson beiträgt.

Verräterischer Einband

Die Hardcoveralben kommen in der splittertypischen Qualität daher. Die Dialoge, die von Tanja Krämling übersetzt werden, wirken authentisch und lebensnah. Lediglich das Innencover trübt ein wenig die Freude. Hier werden die Figuren kurz vorgestellt. Allerdings geben die Texte bereits Hinweise darauf, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Wer sich die Überraschung nicht nehmen lassen will, blättert einfach schnell weiter. Darüber hinaus wird die Liste zwischen den Bänden nicht aktualisiert. So werden im zweiten Band sogar Personen vorgestellt, die den ersten Band nicht überlebt haben.

Fazit

Ein Genremix, der voll aufgeht und somit auf dem breitgetretenen Feld der Zombie-Comics ordentlich punkten kann.

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Alice Matheson von Jean-Luc Istin, Philippe Vandaële und anderen erscheint im Hardcoveralbum im Splitter Verlag. Umfang je 48 Seiten Preis je 14,80€
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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