Akte X / 30 Days of Night

Vampire, die die langen Nächte in Alaska nutzen, um sich ordentlich zu laben. Das klingt nach einer typischen X-Akte. Steve Niles, der Schöpfer von 30 Days of Night hat dies auch erkannt und lässt Mulder und Scully in diesem Crossover ermitteln.

Die Wahrheit ist irgendwo dort draußen

Gleich zwei Teams von FBI Agenten versuchen einem unheimlichen Leichenfund in Wainwright, Alaska, auf den Grund zu gehen. aktex30days_caseWährend Mulder und Scully in alle Richtungen ermitteln, geht Agent Daniel Robert French davon aus, dass hier ein Serienmörder, den er mit seinem Partner schon lange jagt, erneut zugeschlagen hat. Immer wieder geraten die Ermittler aneinander, dabei lauert in der Dunkelheit ein gefährlicher Feind. Als Mulder und Scully erkennen, wer für die brutalen Morde verantwortlich ist, beginnt ein Kampf auf Leben und Tod in der langen Nacht.

Fan-Abzocke oder stimmige Franchise-Kombi?

Crossovercomics haben häufig einen faden Beigeschmack. Häufig mischen die Autoren lediglich zwei beliebte Serien miteinander und spinnen eine mehr als dürftige Rahmenhandlung um die Geschichte, die eigentlich nur das Treffen der Figuren zeigen will. Doch hin und wieder gelingt es den Autoren auch, zwei total unterschiedliche Genres miteinander sinnvoll zu verbinden. Frank Miller hat mit RoboCop vs. The Terminator gezeigt, wie ein intelligentes Crossover funktioniert.aktex30days_cover Auf den ersten Blick passt das düstere Horrorszenario aus Steve Niles Feder über Vampire, die eine lange Polarnacht in ein Schlachtfest verwandeln, gut in das Schema der übernatürlichen X-Akten von Chris Carter. Und da sich 30 Days of Night Schöpfer Niles auch bei diesem Crossover als Autor betätigt, kommt schnell die typische Horroratmosphäre, die Niles berühmt gemacht hat, auf. Zeitlich spielt die Geschichte noch vor den Ereignissen aus dem ersten 30 Days Band. Somit benötigt der Leser keinerlei Kenntnisse über die blutsaugende Plage, die Wainwright heimsucht. Niles scheint jedoch auch ein großer Akte X Fan zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, dass man sich als Fan der TV-Serie sofort zu Hause fühlt. Lediglich die Übersetzung von Frank Neubauer trübt die heimelige Atmosphäre. Denn während sich Mulder und Scully in den 202 Episoden fast immer siezen, legt der Übersetzer dem Ermittlerduo das „Du“ in den Mund. Zusammen mit der Anrede per Nachname füllen sich die Dialoge oft falsch an. Richtige Akte-X-Experten werden jedoch mit ein paar Spielereien vertröstet. Chris Carter hat im Laufe der Jahre eine gewisse Numerologie in die Serie eingebaut. So findet man beispielsweise die Zahl 1013(56) ungewöhnlich oft in zahlreichen Episoden der Mysteryserie. Dahinter verbirgt sich die US-Schreibweise des Geburtsdatums von Chris Carter und eben solche Zahlenspielereien kann man auch in diesem Comic entdecken. Ein paar liebevolle Easter Eggs für die große Gemeinschaft der Akte X Fans.

Die riesigen Fußspuren von Ben Templesmith

Die unverwechselbaren Zeichnungen des Australiers Ben Templesmith haben einen enormen Einfluss auf die düstere Stimmung der 30 Days of Night Comics. Von den surrealistischen Zeichnungen müssen sich die Fans der Horrorsaga für dieses Crossover verabschieden. aktex30days_vampiresTom Mandrake übernimmt den Stift und steht vor zwei Herausforderungen. Zum einen haben die Fans eine genaue Vorstellung davon, wie Mulder und Scully aussehen. Die jahrelange Verkörperung durch die Schauspieler David Duchovny und Gillian Anderson ist fest in den Köpfen der Fans verwurzelt. Zum anderen erwarten die Leser von 30 Days of Night einen düsteren Horrorschocker. Den Horror liefert Mandrake professionell ab. Er benutzt zahlreiche klassische Perspektiven, die eine gruselige Atmosphäre erzeugen. Das Grauen lauert oft im Halbschatten und wenn es zuschlägt, scheut Mandrake auch keine blutigen Details. Die Darstellung von Mulder und Scully gelingt dem Künstler größtenteils. Doch hin und wieder entgleisen die Gesichtszüge und die beiden paranormalen Entwickler wirken wie Karikaturen der Vorbilder. Darüber hinaus kann die Mimik der Figuren nicht zu einhundert Prozent überzeugen. Diese kleinen Unstimmigkeiten macht Mandrake jedoch beim Kreaturendesign wieder wett.

Fazit

Stimmige Kombination zweier Serien, die beiden Fans etwas bietet und trotzdem keinerlei Vorwissen voraussetzt. Dank der Unterstützung der Macher der Akte X Serie fühlen sich die Hauptfiguren authentisch an. Man spürt die Liebe des Autoren zu den Figuren. Es wirkt geradezu so, als hätte sich Niles einen Traum erfüllt und seine Vampiversion mit den FBI-Agenten seiner Jugend zusammengebracht.

zur Leseprobe
Akte X / 30 Days of Night von Steve Niles, Adam Jones, Tom Mandrake ist bei Cross Cult als Hardcover erschienen. Umfang: 144 Seiten Preis: 25,00€
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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